Karl Müller (1819-1889)


Karl Müller (1819-1889) »

Karl Müller: Der junge Rajah. Lebensbilder und Abenteuer aus Indien. Zu Lust und Lehre für die reifere Jugend erzählt. Leipzig: Verlag von R. F. Albrecht. 1880 »

Dr. K. Müller, mit vollem Namen Karl (Carl) Wilhelm Hermann Friedrich Müller, veröffentlichte auch unter den Pseudonymen Fr. v. Elling, Ottfried (Otto, Oskar) Mylius, Roderich Nellenburg und Dr. Karl Müller-Mylius.

1842 wurde er Redakteur der Unterhaltungszeitschrift „Erheiterungen“, für die er auch selbst etliche Texte verfasste und ausländische Texte bearbeitete. Weiters arbeitete er an den Zeitschriften der Verlagsfirma Schönlein in Stuttgart mit und redigierte ab 1884 „Das Ausland“. Unter seinem umfassenden Werk finden sich neben historischen Romanen und klassischen Kolportageromanen auch diverse Erzählungen „für die reifere Jugend“. „Der junge Rajah“ stellt eine Bearbeitung eines Stoffes von William Kingston dar. 132 1889 verstarb Karl Müller in seiner Heimatstadt.

Der Protagonist des „jungen Rajah“ ist ein junger Mann namens Reinhold/Reginald, der in Deutschland bei Onkel und Tante seiner verstorbenen Mutter aufgewachsen ist. Durch einen Brief von einem Londoner Notar wird es notwendig, ihn über seine Herkunft aufzuklären. Er ist der Sohn einer deutschen Erzieherin, die in Indien tätig war und eines indischen Prinzen, der einer Palastrevolution zum Opfer fiel, die auch seine Mutter mit ihren Kindern zur Flucht zwang. Reinhold ist der rechtmäßige Erbe nicht nur des Vermögens seiner Mutter, das sie von ihrem Gehalt als Gouvernante in England für ihn zur Seite gelegt hat, sondern auch des Thrones von Allahapur. Sein Großvater ruft ihn nun zu sich, um sich seiner Existenz zu versichern und ihn als Thronerben einzusetzen, gegen den Willen der zahlreichen Erbschleicher, die den Rajah stürzen wollen. Reinhold wurde schon auf derartige Aufgaben vorbereitet, in seinen jungen Jahren spricht er bereits fließend Hindi und Englisch. Er reist nun zuerst nach England, wo ihn der Notar seiner Mutter betreut und ihm den Engländer Kapitän Bennett als Reisebegleiter zur Seite stellt. Schon auf der Seereise nach Indien begeht er die ersten Heldentaten, indem er einem Matrosen, der über Bord gegangen ist, das Leben rettet. In Indien angekommen, begeben sich Bennett und Reginald anonym in die Dienste des Rajahs von Allahapur, da Letzterer sich dem Großvater beweisen will und außerdem Gefahr von seinen Gegnern im Palast droht. Auf der Reise dorthin fängt er per Zufall einen zahmen Tiger, der ihm ein treuer Freund und Beschützer wird. Nach langwierigen Palastkämpfen gegen den intriganten Wesir und entfernte Verwandte, die auf die Krone aus sind, und gegen die aufständischen Sepoys, triumphiert Reginald mit Bennetts Hilfe und gibt sich als Enkel des Rajah zu erkennen. Dieser übergibt ihm kurz vor seinem Tod die Herrschaft in Allahapur. Reinhold besteigt den Thron, tritt aber nach kurzer Zeit aus moralischen und Gründen der Vernunft zurück und überlässt den Thron einem indischen Verwandten, nicht zuletzt, da er sich als Europäer als nicht akzeptierter Herrscher sieht. Kapitän Bennett heiratet eine indische Prinzessin, die aber bereits christlich erzogen wurde, und Reginald nimmt eine britische Offizierstochter zur Frau. Die beiden Männer kämpfen gemeinsam auf Seiten der Engländer im Sepoy-Aufstand, werden verwundet und kehren letzten Endes mit ihren Frauen in das schöne Deutschland zurück. 1

1 Hanna Maria Ofner: „Das Indienbild in den Jugendbüchern des Ensslin & Laiblin Verlages vor 1945“. Diplomarbeit, Universität Wien, 2011, pp. 59-61 »

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