Theodor Fontane (1819-1898)

Theodor Fontane, the German novelist and poet, worked as the English correspondent for some German newspapers during the period 1855 to 1859.

At the time of the Revolt, he was writing for the highly conservative, pro-monarchist, pro-Russian and anti-British newspaper Neue Preußische Zeitung or Kreuzzeitung as it was popularly referred to because of the cross on its masthead (See image on the right). Apart from the articles he wrote, some of which were “amended” by the editors in order to make them express more clearly the ideological stance of the paper, Fontane wrote a number of letters during and after the concerned period and also kept a diary. A tentative list of articles by Fontane published in the Kreuzzeitung can be found below. There are references to the Revolt in the letters, in the diaries, and also in his autobiographical writings. Fontane also planned to write a poem “Das Mädchen von Lucknow” and was upset that another lesser known writer wrote a poem on the same theme before him. (See below)

Articles published in the Kreuzzeitung, July-December 1857

24-7-1857       Verschiedene Standpunkte »

19-8-1857       Das indische Räthsel »

27-8-1857       Das Transportschiff “Transit” »

30-8-1857       Indische Nachrichten. Englischer Zeitugsstil »

16-9-1857       Russenfresserei und die Zusammenkunft in Stuttgart »

19-9-1857       Kaffern-Regimenter »

23-9-1857       Cricket-Spiel und Heldenthum / Die Indische Noth »

27-9-1857       Gerechte Sorge und schlechter Trost »

2-10-1857       Das Panorama von Delhi »

7-10-1857       Vellore und Delhi »

28-10-1857     “Muselmännische Symptome” »

31-10-1857     Der Heerd genommen, die Flamme entwischt »

29-12-1857     Lucknow ist entsetzt! »

30-12-1857     Die letzten Tage von Leadenhall-Street »

Hans Rhyn: Die Balladendichtung Theodor Fontanes. Bern: Verlag A. Francke, 1914

Im Anfang des Jahres 1859 erlosch der grosse indische Aufstand, der nahezu zwei Jahre gedauert hatte. Die Schilderungen der Ereignisse durchliefen alle Zeitungen, so auch die Kunde von dem Mädchen von Lucknow („Von Zwanzig bis Dreissig”, II, 3,. S. 184 if »). Fontane beschäftigte sich mit dem Stoff, der ihm für eine Ballade geeignet schien, aber Lepel kam ihm zu seinem Ärger zuvor mit seiner „Jessy Brown”.* Am 1. Februar 1859 schickte Lepel das Gedicht seinem Freunde, der es schon vorher im Tunnel scharf kritisiert hatte. Durch die Zeitereignisse auf die indische Geschichte hingewiesen und vielleicht durch Lepels Gedicht zu einem geheimen Wettstreit angefeuert, scheint sich Fontane bald darauf an „Das Trauerspiel von Afghanistan” gemacht zu haben… »

Fontane: Von Zwanzig bis Dreißig. Autobiographisches. Achtes Kapitel. Bernhard von Lepel

Am gütigsten war er, Lepel, gegen mich, wenn ich mich dichterisch ihm gegenüber aufs hohe Pferd setzte. Wenn es geschah, hatte ich zwar wohl immer recht – denn ich stellte ihn als Menschen und Poeten viel zu hoch, als daß ich anders als innerlichst gezwungen mit einer herben Kritik über ihn hätte herausrücken können -, aber ich versah es dabei, vielleicht gerade weil ich vorher einen Kampf in mir durchgemacht hatte, mehr oder weniger im Ton, und daß er mir diesen mitunter sehr mißglückten Ton verzieh, war immer ein Beweis seiner vornehmen Gesinnung und seiner großen Liebe zu mir. Die fatalste Szene derart ist mir noch deutlich in Erinnerung. Es war im Sommer 59, kurze Zeit nach Niederwerfung des indischen Aufstandes, als die Schilderungen von der Erstürmung von Delhi und Khaunpur und vor allem die Berichte von dem »Mädchen von Lucknow« durch alle Zeitungen gingen. Das Mädchen von Lucknow[Geibel hat den Mädchen-von-Lucknow-Stoff ebenfalls behandelt, aber auch ganz schwach.]. Ja, das war ein Stoff! Ich war davon benommen wie von keinem zweiten und wälzte die grandios poetische Geschichte seit Monaten in mir herum, hatte das Gedicht auch schon halb fertig und kam, während ich mich damit noch abmühte, keines Überfalls gewärtig, in den Tunnel, wo sich Lepel eben an das kleine Vorlesetischen setzte, um ein Gedicht unter dem Titel »Jessie Brown« zum besten zu geben. Jessie Brown! Ja, warum nicht? Warum nicht Jessie Brown? Vielleicht eine heitere Spinnstubengeschichte; vielleicht auch so was wie Robin Hood und seine Jenny im Sherwoodwald. Mit einemmal aber – mir standen die Haare zu Berge – wurde mir klar, daß diese von Lepel ganz absichtlich als fidele Figur behandelte Jessie Brown niemand anders sein sollte als meine großartige Gestalt: »Das Mädchen von Lucknow«. Mir schwindelte, besonders bei Anhören der letzten Strophe, wo Jessie Brown, als die Gefahr vorüber ist, einen Unteroffizier aus dem Hochländerregiment Campbell beim Arme packt, um mit diesem einen Schottischen zu tanzen. Ich konnte mich nicht mehr halten, und während die Tunnel-Philister in pflichtschuldiges Entzücken ausbrachen, ging ich wie ein Rasender gegen Lepel los und hieb um mich. Das ginge nicht, unterbrach ich das Bewunderungsgefasel, das sei gar nichts; wenn man im Sonnenbrand eine Palme fächeln lasse, so sei das noch nicht Indien, und wenn man den Dudelsack spielen lasse, so sei das noch nicht das Regiment Campbell, und wenn irgendeine Jessie Brown à tout prix ein fideler Knopp sein wolle, so sei das noch nicht das Mädchen von Lucknow. Das Mädchen von Lucknow sei eine Balladenfigur ersten Ranges, fast größer als die Lenore, hellseherisch, mystisch phantastisch, gruselig und erhaben zugleich, alle Himmel täten sich auf, und da käme nun unser »Schenkendorf« (so hieß Lepel im Tunnel), um solche großartige Person am Abschlusse furchtbar durchlebter Belagerungswochen mit einem Unteroffizier einen Schottischen tanzen zu lassen. Es fehle nur noch der steife Grog. Alles war baff nach dieser Philippika. Lepel selbst rappelte sich zuerst wieder raus und sagte: »Das ist dein gutes Recht, daß es dir nicht gefällt; aber du könntest es vielleicht in andere Worte kleiden.« Ich nickte zustimmend dazu, hielt jedoch stramm aus und sagte: »Was meine Worte gefehlt haben mögen, nehme ich gerne zurück; aber den Inhalt meiner Worte halte ich aufrecht. Ich finde, daß du dem großen Stoff ein großes Unrecht angetan hast.« »

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