Sir John Retcliffe (1815-1878)

Sir John Retcliffe was the pseudonym of the German writer Hermann Ottomar Friedrich Goedsche, a bestselling author of a number of historical-political novels. He wrote the first German novel on the 1857 revolt entitled Nena Sahib, oder: Die Empörung in Indien (1858-59). The novel was reprinted several times and in various versions.

Entry in:

Brümmer, Franz: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Leipzig : Reclam, 1913
Hermann Goedsche

Nena Sahib, oder: Die Empörung in Indien (1858-59)

Erster Band. Die Tyrannen der Erde

Die indische Universität 5
Babylon—Sardes—Rom—London 41
In den Apenninen 58
Die Tiger-Vertilgungs-Gesellschaft 110
Gulma 134
Ein Duell in San Francisco 197
Die Höhle des Wolfes 228
For ever! 282
Die Feuersbrunst 322
Der blutige Arm 363
Wer der Mörder? 418
Weiß und Schwarz 451
Der zweite December 477
Sanct Helena 490

Zweiter Band. Die böse Saat

Die indische Wüste 1
Die Geheimnisse der schwarzen Burg 41
Das Reich der Ostindischen Compagnie 131
1. Der Ryot 152
2. Der Nabob 190
3. Im Meß-Bungalow 215
4. Die Sotti und die Tigerjagd 251
Das Reich der Ostindischen Compagnie (Fortsetzung):
5. Der Pavillon 305
Der Derwar 346
Tod den Faringi! 424
Schlange und Tiger 481

Dritter Band. Der Sünden Ernte

Der Ball 2
Das goldene Delhi 99
Der Blutbrunnen zu Cawnpur 241
1. Des Irländers Ende 272
2. Der Verrath 310
Der Blutbrunnen zu Cawnpur (Fortsetzung):
3. Der Eid – 327
Aus dem Jenseits! 389

Fontane: Von Zwanzig bis Dreißig. Autobiographisches. Siebentes Kapitel. George Hesekiel

Auf der Redaktion (der Kreuzzeitung) saßen Hesekiel und ich dicht zusammen, nur durch einen schmalen Gang getrennt, und mitunter schrieben wir uns Briefe, die wir uns von einem Tisch zum andern herüberreichten. Es wurden darin immer nächstliegende Personalien verhandelt, anzüglich, aber nie bösartig, vielmehr vorwiegend in so grotesk ausschweifender Weise, daß dadurch der kleinen Malice die Spitze abgebrochen wurde. Meist ging es gegen den Chefredakteur, dessen pedantische Ruhe der Hesekielschen Natur durchaus widersprach. Am ungeniertesten wurde mit dem aus dem Waldeck-Prozeß schlecht beleumdeten Goedsche verfahren, der übrigens keineswegs ein Schreckensmensch, vielmehr, bei hundert kleinen Schwächen und vielleicht Schlimmerem, ein Mann von großer Herzensgüte war; er schrieb damals an seinen, vom buchhändlerischen Standpunkte aus berühmt gewordenen Sir John Retcliffe-Romanen, die, wie er selbst, eine Quelle beständiger Erheiterung für uns waren. Einer dieser Romane hieß »Nena Sahib«. Wenn nun eine ganz ungeheuerliche Stelle kam, wo die Schrecknisse sich riesenhaft türmten, so kriegte er es doch mit der Angst, und fühlend, daß er dem Publikum vielleicht allzuviel zumutete, machte er, mit Hilfe eines Sternchens, eine Fußnote, darin es in lakonischer Kürze hieß: »Siehe Parlamentsakten«. Er hütete sich aber, Band und Seitenzahl anzugeben. Wenn wieder ein mehrbändiges Werk fertig war, ließ er es jedesmal elegant einbinden, um es dann, in der Privatwohnung des Chefredakteurs, der sehr feinen und sehr akkuraten Dame des Hauses als Huldigungsexemplar überreichen zu können. In besonders schweren Fällen soll er aber hinzugesetzt haben: »Ich muß die gnädige Frau dringend bitten, es nicht lesen zu wollen.« Von Hesekiel ließ er sich alles gefallen; manche Wendungen waren stereotyp. Es kam vor, daß Goedsche mit einem gewissen Feldherrnschritt auf der Redaktion erschien und hier, ohne daß das geringste vorgefallen war, ein ungeheures Ergriffensein über einen rätselhaften und vielleicht gar nicht mal existierenden Hergang zur Schau stellte. Hesekiel sagte dann, um diesen falschen Rausch zu markieren, ruhig vor sich hin: »Goedsche hat heute wieder seine Zahntinktur ausgetrunken.« Ich persönlich habe Goedsche nur von zwei Seiten kennengelernt: als Vogelzüchter und Bellachini-Freund. Er hatte eine Hecke der schönsten australischen und südamerikanischen Vögel, und Bellachini war auf seine Art ein reizender Mann, was nicht wundernehmen darf. Alles, was sich an der Peripherie der Kunst herumtummelt: Akrobaten, Clowns, Monsieur Herkules, Zauberer und Taschenspieler – alle sind meist sehr angenehme Leute, weil sie das Bedürfnis haben, die Welt mit sich zu versöhnen. Goedsche zog sich in den siebziger Jahren nach Warmbrunn zurück, woselbst er in seinen guten Tagen – er hatte an den Retcliffe-Romanen ein enormes Geld verdient – ein Krankenhaus gestiftet hatte; dort starb er auch. Das letzte Mal, da ich ihn sah, noch in Berlin, war er sehr elend, infolge einer merkwürdigen, echt Goedscheschen Weihnachtsfeier. Seine Frau war ihm gestorben, und ganz in Sentimentalität steckend, wie so oft Naturen der Art, begab er sich am Christabend nach dem katholischen Kirchhofe hinaus und veranstaltete hier, indem er zahllose Lichter aufs Grab pflanzte, eine Liebes- und Gedächtnisfeier. Er setzte sich auf ein Nachbargrab und sang einen Vers und weinte. Die Folge davon war ein Pyramidalkatarrh, der sein Leben schon damals in Gefahr brachte. »

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